Punktschrift für interessierte Studenten in Malente, ein Erlebnisbericht

Der Frühling war erst jung an Tagen, da klingelte das Telefon und Bernd Uhlig, der Vorsitzende des BSVMV fragte: "Willst du nicht einen Vortrag über Punktschrift halten". "Es wäre etwas anderes, wenn es nicht die Punktschrift wäre, aber darüber, sei unbesorgt, werde ich schon das Richtige sagen" war meine Antwort. Also machten wir uns am 03.06.2011 auf den Weg. Aber nicht in das Heimatdorf von Grigori Kossonossow, dem Wächter der Fliegerschule, sondern in das schöne Bad Malente in Schleswig-Holstein. Dort führte der Verein Christliches Jugenddorf eine studienübergreifende Seminarwoche durch und wir Stralsunder, Horst Schuldt und Ursula Bamberg mit unseren Begleitern, durften bei der Gestaltung mitwirken. 42 Teilnehmer waren aus ganz Deutschland zusammengekommen und wollten an diesem Nachmittag die Vollschrift lernen. Die jungen Leute waren am Leben von Louis Braille genauso interessiert, wie an den Befindlichkeiten blinder Menschen in unserer Zeit. Sie hörten gebannt ein Gedicht von Ursula Patzschke und staunten über die vielen kleinen sprechenden und zu fühlenden Hilfsmittel, die unser Leben selbst bestimmter machen. Und dann die geniale Erfindung unseres Louis Braille, die auf den Brailleschriftalphabeten festgehalten ist. Nachdem das System der Sechs-Punktschrift erkannt war, wurde mit dem Schreiben auf den alten mitgebrachten Picht Maschinen begonnen. Das funktionierte so gut, dass uns Referenten am Ende der Veranstaltung je ein selbst geschriebener Brief überreicht werden konnte. Das Ziel war erreicht. Und wie nebenbei wurden unzählige Fragen beantwortet. Sehen Sie wirklich schwarz? Wie träumen Sie? Fühlen Sie sich ausreichend unterstützt? Wie können wir Ihnen helfen? Wie funktioniert dieser Penfriend? Wir hätten wohl noch Stunden gebraucht, um alles erschöpfend zu klären. Die ganz Mutigen setzten sich auch eine Brille zur Simulation einer Sehbehinderung auf und probierten den Langstock aus. Für uns Referenten war es ein sehr aufregender und gelungener Nachmittag. Diese Studenten stehen den Belangen blinder und sehbehinderter Menschen aufgeschlossen gegenüber und unsere Hoffnung ist es, dass sie die gewonnenen Erkenntnisse in ihre Heimat mitnehmen und dort weiterverbreiten.