Seniorenseminar vom 03. bis 07.10.2016 im Aura-Hotel „Ostseeperlen Boltenhagen“

Genau am Tag der Einheit, am 3. Oktober gingen 20 interessierte Damen und Herren, aus nahezu allen Landkreisen aus Mecklenburg-Vorpommern, auf die Reise nach Boltenhagen. Sie hatten sich für das diesjährige Seniorenseminar vom 3. bis 7. Oktober, eingeschrieben.

Auch in diesem Jahr versprach das vom Seminarleiter und Moderator Bernd Uhlig aus Greifswald zusammengestellte anspruchsvolle Programm sehr interessant zu werden.

Nachdem alle angereist waren und sich in ihren Zimmern eingerichtet hatten, begannen wir traditionsgemäß mit einer Vorstellungsrunde. Der Seminarleiter begrüßte alle Teilnehmer sowie auch Frau Arnold, die neue Leiterin der Ostseeperlen Boltenhagen, die sich dann selbst auch vorstellte, ganz herzlich. Frau Arnold informierte uns über wichtige Neuerungen und ihre Pläne, was die Einrichtung noch attraktiver und gästefreundlicher machen wird.

Für den restlichen Nachmittag blieb dann noch genügend Zeit für persönliche Gespräche und Spaziergänge am Strand oder durch den Ort.

Der zweite Tag unseres Seminars begann mit einem sehr brisanten Thema. Bereits zum zweiten Mal sprachen wir mit der Referentin von der Landesfachstelle für sexuelle Gesundheit und Familienplanung aus Rostock über „Sexualität im Alter“. Anfangs zurückhaltend kam es dann doch zu einem aktiven Dialog zwischen den Teilnehmern und der Referentin, aus dem die meisten auch bestimmt etwas für sich mitnehmen konnten.

Der Nachmittag war dann von einem völlig anderen Thema bestimmt. Die Rechtsreferentin des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes, Cristiane Möller, informierte uns über den aktuellen Stand des Bundesteilhabegesetzes. Dabei zeigte sie uns sehr deutlich auf,  dass die berechtigten Belange blinder und sehbehinderter Menschen in dem bisherigen Gesetzentwurf nicht nur vernachlässigt, nein, sogar völlig unberücksichtigt geblieben sind und berichtete über die Aktionen, die der DBSV gegen diesen unakzeptablen Entwurf bereits organisiert hatte. Bei der sich anschließenden Diskussion konnte man feststellen, dass die meisten Teilnehmer das erste Mal etwas bewusst über den Zusammenhang zwischen dem Bundesteilhabegesetz und der Wahrung der Rechte blinder und sehbehinderter Menschen erfahren und zur Kenntnis genommen haben.

Nach einer sehr angeregten Gesprächsrunde waren die meisten Stimmbänder schon in Bewegung, um am Abend, bei dem durch die Familie Fischer gestalteten Liederabend noch einmal richtig in Schwingung zu kommen. Von Klavier und Akkordeon begleitet, ging es dann durch die Welt der Volkslieder, bei denen die Lieder in „platt“ nicht zu kurz kamen, wobei es oft hieß: „Text an der Kasse“. Die meisten versprachen aber, das Jahr zu nutzen, um die Liedtexte zu reaktivieren.

Der dritte Tag stand mit dem Besuch beim Verein der Blindenwohlfahrt in Neukloster, ganz im Zeichen der „Rehabilitation zur Bewältigung des Alltages für Senioren“. Der Seminarleiter, Bernd Uhlig, hatte mit der Geschäftsführerin des Vereins, Frau Borczyk, einen Besuch des Servicecenter im Rehazentrum vereinbart. Bei unserer Ankunft standen die Besichtigung des Pflegebereichs und der Werkstätten zur Auswahl. Da einigen bekannt war, dass es viele Veränderungen und Neubauten im Bereich der Werkstätten gegeben hat, entschieden wir uns für diese. Es war für alle sehr interessant und informativ, unter welch hervorragenden Bedingungen die Beschäftigten in den Werkstätten arbeiten und betreut werden. Die großzügig, hell und freundlich gestalteten Arbeitsplätze spiegeln sich in der offenen und freundlichen Atmosphäre zwischen den behinderten Beschäftigten und den Betreuern in den Werkstätten wider. Natürlich nutzten viele Teilnehmer die Gelegenheit, einige, in den Werkstätten hergestellten Artikel, im Werkstattladen käuflich zu erwerben. Ein spätes Mittagessen in der großzügig gestalteten Kantine, rundete unseren Besuch beim Verein der Blindenwohlfahrt in Neukloster ab. Für den restlichen Nachmittag war „Wismar auf eigen Faust erkunden“ angesagt, bevor uns dann ein tolles Grillabendbrot in den Ostseeperlen erwartete.

Am Donnerstagvormittag dann stand erneut ein sehr interessantes Thema auf der Tagesordnung: „Leben mit Non-24“ Schlaf-Wachstörungen mit Abweichung vom 24-Stunden-Rhythmus bei blinden Menschen. Dr. Roland Zimmermann aus Berlin hatte dafür als Hauptreferenten Prof. Dr. Fietze, den Chef des Schlaflabors der Charite Berlin gewinnen können. Prof. Fietze sprach zu dem Thema und erläuterte, wie es zu der Plus- und Minuszeitverschiebungen bei blinden Menschen ohne Lichtwahrnehmung kommt. Man spricht hier von einem nichtregulären 24-Stundenrythmus, wobei der innere Rhythmus innerhalb der 24 Stunden um 0,5 bis 0,7 Stunden nach oben oder unten abweicht. Über längere Zeit kann das bei blinden Menschen dazu führen, dass sie in der Nacht nicht schlafen können und am Tag müde sind. Bei Licht ist das Melatonin sehr niedrig und im Dunklen steigt es an. Auf den Punkt gebracht; „Besonders bei Blinden ohne Lichtwahrnehmung macht das Melatonin nahezu was es will“; versuchte Prof. Fietze uns die Schlaf- und Wachrhythmusstörung verständlich zu machen.  Nun, so Prof. Fietze, gibt es ein Medikament, dass  den Melatonimangel und damit die Schlafstörung beseitigt und den Ausgleich schafft und die naturbedingte Zeitverschiebung kompensiert. Derzeit gibt es 2 Schlafzentren, in Berlin und Münster, die sich mit dem „Non 24 Phänomen“ befassen und dazu beraten können, wobei in Kürze weitere hinzukommen. Im Anschluss an seinen Vortrag beantwortete Prof. Fietze noch eine Vielzahl interessanter Fragen der Teilnehmer zu Schlafstörungen in Allgemeinen und im Besonderen.

Das für den Nachmittag angesetzte „Gesundheitswandern mit Elementen aus Atemtherapie und Yoga” musste wetterbedingt geteilt werden, denn Regen und starker Wind hatten sich breit gemacht. Kurzerhand entschieden wir uns erst einmal unter Anleitung von Frau Romer, für eine Stunde zu einigen „Trockenübungen“ im Raum. Ganz hart gesottene und wetterfeste Teilnehmer konnte Frau Romer dann doch noch zu einer Wanderung durch Wind und Regen, begeistern.

Viel zu schnell verging wieder einmal die Zeit unseres Seniorenseminars. Dennoch freuten sich schon alle auf unseren geselligen Abend mit Tanz und guter Unterhaltung.  Am Abschlussabend dann, war noch einmal Entspannung und Ausgelassenheit für alle groß geschrieben. Dazu trug ganz wesentlich der Discotheker, Herr Kühne, mit seinem reichhaltigen Musikangebot bei. Es war für jeden etwas dabei und sodass die meisten die Gelegenheit nutzten, wieder einmal das „Tanzbein zu schwingen“. So blieb die Tanzfläche nicht eine einzige Runde leer. Abwechslungsreiche und interessante Gespräche miteinander rundeten bei „schöngeistigen Getränken“  den stimmungsvollen Abend ab. .

Am Freitag Vormittag dann, nach einem, wie gesagt, stimmungsvollen Abschlussabend, hießt es noch einmal, aufmerksam zuzuhören. Polizeihauptkommissar Uwe Burmeister von der Dienststelle Wismar gab uns in zwei Stunden einen Einblick in die „Theorie und Praxis der „Selbstverteidigung und Selbstbehauptung für Senioren“. Er gab uns wichtige Hinweise, wie wir uns als Sehbehinderte verhalten sollten, wenn wir mit einer scheinbaren Gefahr oder Bedrohung konfrontiert werden. Beispiele und Erfahrungen aus dem eigenen Erleben der Seminarteilnehmer, ergänzten den interessanten Vortrag.

Bei der darauffolgenden Auswertung und dem Ausblick auf künftige Veranstaltungen des Seniorenseminars, äußerten sich alle sehr positiv. Sie brachten dabei zum Ausdruck, dass die Veranstaltungen und Vorträge wieder sehr gut ausgewählt und interessant waren und bedankten sich dafür bei dem Leiter und Moderator. Der schönste Lohn für die Anstrengungen und viele Arbeit bei der Vorbereitung und Durchführung des Seminars war für mich, dass erneut alle versprachen, im kommenden Jahr unbedingt wieder dabei sein zu wollen. Dazu haben wir uns schon eine ganze Reihe von Themenvorschlägen zusammengestellt. Die Teilnehmer sprachen sich sehr anerkennend über die sehr gute Betreuung und Versorgung durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Ostseeperlen aus. Der neue Stiel, der offene und fürsorgliche Umgang mit den Gästen fand bei allen große Anerkennung. Gut gelaunt traten nach dem Mittagessen alle Teilnehmer ihre Heimreise an.

Im Namen aller Teilnehmer und auch persönlich möchte ich mich ganz besonders  bei der Leiterin der Ostseeperlen, Frau Arnold, und ihrem Team ganz herzlich für die umsichtige und gute Betreuung, bei Herrn Bannert von der Landesgeschäftsstelle für seine gute Unterstützung in der Vorbereitung sowie bei der Krankenkasse, AOK Nordost, für die finanzielle Förderung bedanken.

Greifswald, Oktober 2016

gez. Bernd Uhlig
Leitung und Moderation