Seniorenseminar vom 08. bis 12.10.2017

Auch in diesem Jahr, genau am 08.10.2017 reisten wieder insgesamt 13 interessierte Sehbehinderte und Blinde, mit ihren Begleitungen aus allen Landkreisen Mecklenburg-Vorpommerns, nach Boltenhagen. Sie hatten sich für das Seniorenseminar, vom 08. bis 12. Oktober angemeldet. Der Seminarleiter und Moderator Bernd Uhlig aus Greifswald hatte erneut ein sehr interessantes und abwechslungsreiches Programm zusammengestellt, dass versprach viele neue Informationen und interessante Gespräche. Nachdem sich alle in ihren Zimmern eingerichtet hatten, wurde das Seminar vom Seminarleiter, Bernd Uhlig in Anwesenheit von Frau Arnold, der Leiterin der Ostseeperlen, traditionsgemäß mit einer Vorstellungsrunde eröffnet. In der Vorstellungsrunde zeigte sich sehr schnell, dass die meisten bereits im vergangenen Jahr und davor, an den Seminaren teilgenommen haben und umso größer war die Freude des Wiedersehens. Frau Arnold nutzte die Gelegenheit und gab uns einige wichtige Informationen zum Haus. Der restliche Nachmittag bot noch genügend Zeit für persönliche Gespräche bei Kaffee und leckeren selbstgebackenem Kuchen. Das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite und so lud die Sonne zu einem Spaziergang am Strand oder durch den Ort ein.

Der Vormittag des zweiten Tages war für „Kreatives Selbstgestalten" für Blinde und hochgradig Sehbehinderte vorgesehen. Frau Schön-Schneider, eine Künstlerin aus Boltenhagen, hatte sich vorgenommen, mit uns zu malen. Als wir das von ihr hörten, mussten uns die Überraschung und der Zweifel im Gesicht geschrieben sein, denn sie reagierte sofort darauf und sagte; „Keine Angst, sie schaffen das“. Und so machten wir uns erst einmal mit dem vertraut, was auf unseren Plätzen lag. Gemeinsam mit zwei freundlichen Assistentinnen hatte sie für jeden einen Rahmen mit einer Leinwand bezogen. Auf der Leinwand waren für uns zur Orientierung dünne Linien mit einer Haftmasse zum Fühlen der Bereiche Horizont, Wasser und Strand aufgebracht. Sogar die vier Farbtöpfe waren mit Punkten für uns Blinde gekennzeichnet. Und dann ging es los. Wir begannen den Horizont, den Himmel und die Wolken mit Pinsel und Schwammstück die Farbe aufzutragen. Dann haben wir mit einem Fön die Farbe vorsichtig getrocknet und behutsam abgeklebt. Danach ging jeder daran, das Wasser mit dem Pinsel zu bestreichen und die Wellen mit ihren weißen Schaumkronen zu malen. Zu guter Letzt kam der Sandstrand an die Reihe, der wiederum von jedem sehr unterschiedlich malerisch dargestellt wurde. Nach drei Stunden kreativen Schaffens waren 13 wunderschöne Strandlandschaften entstanden worüber wir sehr glücklich waren, es doch geschafft zu haben. Die Freude war auf beiden Seiten zu spüren und wir bedankten uns bei Frau Schön-Schneider, bei Kathrin und Julia für die gute Vorbereitung, ihre Geduld und gute Zusammenarbeit. 

Am Nachmittag ging es dann zu Fuß auf Erkundungsreise mit Dr. Meihöfer durch unser Ostseebad  Boltenhagen. Wir wollten als Sehbehinderte und Blinde den Ort erkunden, bewusst erleben und Neues entdecken“, was uns Dank Herrn Dr. Maihöfer sehr gut gelang. Eine anschließende Fahrt mit dem „Karolinchen“ durch Boltenhagen ließ uns das gehörte noch einmal aus einer anderen Perspektive erleben. Mit einem Liederabend auf Plattdeutsch, mit Renate und Jürgen Fischer, ließen wir den Tag stimmungsvoll ausklingen.

Der folgende Tag begann mit einer Gesprächsrunde zum „Barrierefreien Tourismus und Reisen mit Handicap, insbesondere für Senioren mit Sehbehinderung mit Frau Annette Rösler, Projektmanagerin vom Tourismusverband MV.
Ab 10:00 hatte dann der Landesverband zu einer offenen Gesprächsrunde, als zentrale Veranstaltung des BSVMV zur „Woche des Sehens“ und zum „Tag des weißen Stockes“ eingeladen, an der neben Herrn Küster vom Landesvorstand, Frau French und Marquardt von der Landesgeschäftsstelle und Frau Arnold, der Leiterin der Ostseeperlen, teilnahmen.
Am Nachmittag fuhren wir nach Wismar ins phanTECHNIKUM, wo wir mit Frau Hagelstein, Museumspädagogin die technische Entwicklung in Mecklenburg-Vorpommern barrierefrei, hautnah und gefühlt erleben konnten.
Ein gemeinsames Grill-Abendbrot und interessante Gespräche rundeten auch diesen schönen Tag ab.

Am Mittwochvormittag hatten wir Jana Waldt von der DZB Leipzig, als Gastreferentin zu Besuch. Sie informierte uns über „Zugangsformen  zu Information und Unterhaltung für blinde und sehbehinderte Menschen“ und brachte uns das breite Spektrum und Angebot der DZB nah. Seit einiger Zeit kann man sich auch Hörbücher, z.B. auf das iPhone oder auf den PC herunterladen und ausleihen, was sie uns auch mit ihrem iPad vorführte. Ins Staunen kamen wir, als wir erfuhren, dass in der DZB bereits über 22.000 Bücher auf diesem Weg mit der DZB-App heruntergeladen wurden, dass die Herstellung und Ausleihe von Punktschriftliteratur einen breiten Rahmen einnimmt, wusste sie überzeugend zu berichten. So wurden 106 kg Leim in der Buchbinderei verarbeitet und 78.000 Brailleschriftseiten produziert und 57 % der Nutzer sind weiblich. Meine Frau und ich haben im Laufe der Jahre 453 Hörbücher ausgeliehen, meinte sie abschließend.

Über einen ganz anderen Bereich informierte uns am Nachmittag, Herr Marcus Brinker, Rechtsassessor der rbm Berlin. Er informierte uns zum Pflegeversicherungsgesetz, die Änderung der ehemals 3 Pflegestufen in nunmehr 5 Pflegegrade, die Neuregelung bei Sehhilfen und weiteren Gesetzen und Verordnungen mit Relevanz für sehbehinderte und blinde Menschen. Er gab uns wichtige Hinweise dafür, was wir bei der Beantragung von Hilfsmitteln unbedingt beachten sollten. Die Seminarteilnehmer nutzten die Gelegenheit und brachten eigene Beispiele zur Sprache, auf die Herr Brinker einging.

Nach einem erneuten interessanten aber auch anstrengenden Tag trafen wir uns dann zu einem geselligen Abschlussabend mit viel Musik und Tanz. Wie auch schon im Jahr zuvor waren alle gut gelaunt und bis in den späten Abend wurde viel getanzt, ganz wie es Senioren eben tun. 

Am Vormittag unseres letzten Seminartages stellte uns Frau Arnold, die Leiterin der Ostseeperlen, Wissenswertes, Neues und Visionen zu unserem Aura-Hotel vor und gab einen Ausblick auf künftige Veranstaltungen und Höhepunkte des Hauses. Dabei stand sie Rede und Antwort zu Fragen und Anregungen der Seminarteilnehmer. Einige Neuerungen, wie z.B. die neugestaltete Rezeption, der Handlauf an der Treppe in der Cafeteria und um nur einiges zu nennen, die in der zweiten Etage statt des Raucherzimmers neu eingerichtete und zum Verweilen und lesen einladende Gästelounge wurde von allen sehr begrüßt. Ohne Ausnahme nutzten alle die Gelegenheit um sich bei Frau Arnold und ihrem Team für die sehr gut und aufmerksame Betreuung und Bewirtung zu bedanken und wünschten weiterhin viel Erfolg. Die Seminarteilnehmer brachten ihren Dank mit einzelnen Spenden zum Ausdruck, die für die Erneuerung des Handlaufes am Geländer im Treppenhaus gedacht sind und möchten damit eine Anregung für eine projektbezogene Spendenaktion geben.

Die letzte Stunde des Seminars war der Auswertung und dem Gedankenaustausch für ein neues Seniorenseminar im kommenden Jahr, das sich uneingeschränkt alle wünschten, gewidmet. In der Auswertung und dem Ausblick auf ein Neues, war das Feedback durchweg von allen Teilnehmern sehr positiv. Sie brachten zum Ausdruck, dass die Veranstaltungen und Vorträge wieder sehr gut ausgewählt und interessant waren und für jeden etwas dabei gewesen sei. Dafür bedankten sich alle bei dem Leiter und Moderator und seiner Frau, nicht ohne ihn aber gleich zu bitten, das nächste Seniorenseminar auch wieder vorzubereiten. Dazu wurden im Laufe unseres Abschlussgesprächs sofort eine Reihe von Themenvorschläge zusammengetragen. Der schönste Lohn für die Anstrengungen und viele Arbeit bei der Vorbereitung und Durchführung des Seminars waren für mich und meine Frau, die mich dabei sehr unterstützt hat, das Versprechen aller, dass sie im kommenden Jahr wieder dabei sein wollen und meldeten sich, noch vor ihrer Abreise gleich bei Frau Arnold an. Nach dem Mittagessen ging es dann für alle Teilnehmer gut gelaunt wieder in ihre Heimatorte zurück.

Im Namen aller Teilnehmer und auch persönlich möchte ich mich auch in diesem Jahr wieder ganz besonders  bei der Leiterin der Ostseeperlen, Frau Arnold und ihrem Team ganz herzlich für die umsichtige und gute Betreuung, bei Herrn Bannert von der Landesgeschäftsstelle für seine gute Unterstützung in der Vorbereitung sowie bei der Krankenkasse, AOK Nord-Ost, für die finanzielle Förderung bedanken.

Greifswald, 12. Oktober 2017

Bernd Uhlig
Leitung und Moderation