Blindenführhund Louis hilft im Alltag

Katharina Odening ist blind und auf Unterstützung angewiesen / Heute ist Tag des Weißen Stockes

Louis ist gerade au­ßer Dienst. Lang ausgestreckt liegt er zweijährige Labrador auf dem Boden. Doch sobald Katharina Ode­ning nach dem weißen Geschirr greift, welches um seinen schlan­ken Körper geschnallt ist, ist der Rüde hellwach und bereit für den Außeneinsatz.

Louis ist ein Blindenführhund. Ein gutes halbes Jahr wurde der hellbraune Rüde dafür im Kleintierzentrum in Markgrafenheide aus­gebildet. Er kennt 40 Kommandos, mit denen er seit April Katharina Odening bei der Bewältigung ihres Alltages hilft.

Die Doberanerin ist von ihrer Ge­burt an sehbehindert. „Über die Jahre ist es noch schlechter gewor­den " , sagt die 40-Jährige. „Aktuell habe ich noch drei Prozent Sehstär­ke und gelte als blind. Ich erkenne aber noch Umrisse und Farben und habe ein sehr enges Sichtfeld."

Etwa 11 000 Blinde und hochgra­dig Sehbehinderte leben in Meck­lenburg-Vorpommern, allein 1000 davon auf dem Gebiet des ehemali­gen Altkreises Bad Doberan, schätzt Lydia Barkhau, die Vorsit­zende des Blinden- und Sehbehin­derten-Vereins MV der Gebietsgrup­pe Bad Doberan (BSVMV). Ge­naue Zahlen gebe es nicht, da nur jene erfasst werden, die vom Amt Blindengeld empfangen. 65 Mit­glieder zählt der Verein in Bad Do­beran.

Mit ihrer Behinderung hat Katha­rina Odening nie gehadert. „Ich hatte keine Sonderrolle in meiner Familie " , sagt die Sachbearbeite­rin. „Ich musste immer alles auspro­bieren. Was ging, das ging, ansons­ten bekam ich Hilfe. "

Diesem Motto bleibt sie bis heu­te treu. Sie arbeitet im Büro. Eine Vergrößerungssoftware und eine rote Maus helfen ihr bei ihren Auf­gaben. Sie reist gern, war zuletzt in Griechenland und auf den Kana­ren, trifft sich mit Freunden zum Es­sen oder Wandern und engagiert sich im BSVMV.

Fast immer an ihrer Seite ist Louis. Souverän bewegt sich das Duo durch die Doberaner Innen­stadt. Der Labrador lenkt sein Frau­chen, hält an Bordsteinen und um­läuft Hindernisse. „Dass der Hund mitdenkt, ist ein großer Vorteil im Vergleich zum Stock", erklärt Ka­tharina Odening, die die Leiterin der landesweiten Arbeitsgemein­schaft Blindenführhundhalter ist. „Dadurch fühle icl mich sicherer und auch integrierter, weil ich so auch mit anderen Hundebesitzern in Kontakt komme "

Nur fünf solcher Gespanne gibt es in Bad Doberan und Rostock, weiß die Expertin: „Blindenhunde sind natürlich auch sehr teuer und müssen auch verpflegt werden. Das kann sich nicht jeder Blinde leisten, sodass der weiße Stock ei­ne wichtige Alternative ist. "

Der Stock gilt als Symbol der Blin­den in der Gesellschaft. Deshalb ist auch nach ihm der Tag benannt, an dem international auf die Situation der blinden und sehbehinderten Menschen aufmerksam gemacht wird. Heute, wie jedes Jahr am 15. Oktober, jährt sich der Tag des Weißen Stockes.

Gefahrenquellen für Sehbehin­derte gibt es auch in Bad Doberan. „Schilder oder Pfeiler stehen oft nicht am Rand der Gehwege " , be­schreibt die Mutter eines 15-jähri­gen Sohnes. „Mit einem Stock kann man nur das ertasten, was di­rekt vor einem ist. So passiert es oft, dass man sich stößt. Das gilt übri­gens auch für Tische, die vor Cafes oder dem Kino stehen." Auch der schlechte Zustand von Straßen kos­tet die Stockgänger viel Kraft.

Der Verein stehe aber immer in Kontakt mit der Stadt, um Kompro­misse zu finden: „Die Situation in Bad Doberan ist okay. Die Ampeln haben akustische Signale, und es gibt Aufmerksamkeitsfelder mit Noppen am Rathaus oder Rillen in der Goethestraße, die für Orientie­rung sorgen. "

Doch auch in fremden Städten weiß sich die Doberanerin zu hel­fen. Sie fährt mit den Bus nach Ros­tock oder Hamburg oder referiert für den BSVMV. „Entweder erar­beite ich mir die Stadt vorher, wie jemand, der eine unbekannte Auto­strecke heraussucht, oder ich nutze moderne Navigations-Apps für Blinde, die mir ansagen, was sich in meiner Nähe befindet. "

Aktionstag

Zu einem Aktionstag am kommenden Mittwoch um 14 Uhr lädt die Gebiets­gruppe Bad Doberan des Blinden- und Sehbehinderten-Vereines Mecklenburg Vorpommern ein. Im Ratssaal der Stadtverwaltung erwartet Interessier­te ein Referat von Augenarzt Dr. Harder. Er wird aus seinem vielfältigen Be­rufserfahrungen mit dem Schwerpunkt seiner Tätigkeit in Afrika berichten.

Einen Einblick und Überblick des Schutzes sowie Erhalts des Augenlich­tes mit verschiedenen Hilfsmitteln bie­tet der Low-Vision-Trainer und Optiker Herr Maxam. Die Mitglieder der Ge­bietsgruppe Bad Doberan zeigen und erklären ihre Hilfsmittel zur Bewälti­gung ihres Alltags.