Unser Lesetasthörbuch für blinde Kunstfreunde ist fertig!

Nach einer mehrjährigen Vorbereitungszeit konnte am 27.09.2012 in Berlin in einer feierlichen Veranstaltung das Lesetasthörbuch für blinde Kunstfreunde der Öffentlichkeit übergeben werden.

Der Landesvorsitzende des Blinden- und Sehbehinderten-Vereins Mecklenburg-Vorpommern e.V. würdigte in seiner Laudatio die enge Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten und das nunmehr vorliegende Werk. Das Zustandekommen eines solchen umfangreichen und zum Teil auch völlig neuartigen Projekts kann als eine Meisterleistung der graphischen Technik bezeichnet werden. Dies vor allem, da es sich um eine Herausforderung der ganz außergewöhnlichen Art handelt, Gemälde für Blinde und hochgradig Sehbehinderte tastbar zu machen.

Architektur wurde ja bereits in mehreren Tastbüchern dargestellt, so z.B. der Kölner Dom. Hierbei handelt es sich zumeist um klare Linienführung, die vom Tastsinn auch leichter erfaßbar und technisch einfacher darstellbar sind. Jedoch sollte man diese ersten Schritte, blinden und sehbehinderten  Menschen einen Schlüssel, sich Kunst und Architektur tastbar zu erschließen, hoch wertschätzen.

Solche Projekte haben Erkenntnisse freigesetzt, die unser ehrgeiziges Vorhaben beflügelten und erst möglich machten. Das Grundproblem bestand nämlich darin, ein Bild mit seinen ineinander fließenden Details drucktechnisch so umzusetzen, daß auch der nichtsehende Betrachter eine Vorstellung vom Dargestellten bekommt. Um dieses Problem effektiv anzugehen, entstand eine fruchtbare Zusammenarbeit zwischen dem BSVMV, vor allem seiner Gebietsgruppe Schwerin, dem Staatlichen Museum der Stadt Schwerin und einem Partnerunternehmen des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes e.V. (DBSV) „Andere Augen“ e.V..

Zunächst wurden Gemälde aus dem Bestand des Staatlichen Museums ausgewählt, die dem Vorhaben entgegen kommen. Es sind Werke holländischer Meister aus der Zeit des 17. und 18. Jahrhunderts. Im Anschluß wurde über die technische Umsetzung in Tastbares nachgedacht. Danach wurde der Text für das Tastbuch geschrieben. In ihm sind nicht nur Erklärungen zu den tastbaren Bildausschnitten enthalten, man hat auch an kunsthistorische Fakten gedacht, die das Verständnis für das Werk unterstützen. Dadurch ist es dem Betrachter möglich, das Werk in seiner Zeit zu begreifen.

Eigentlich hätte damit der gedankliche Entstehungsprozeß beendet sein können, aber alle Mitwirkenden sprachen sich dafür aus, noch zusätzlich eine „Audiospur“ zu produzieren. Damit hätte auch z.B. ein Späterblindeter, der die Brailleschrift noch nicht so richtig beherrscht, die Chance, seinen Tasteindruck mit dem erklärenden Text zu ergänzen.

Es bleibt zu hoffen, dass von dieser in ganz Deutschland einmaligen Erlebbarkeit von Kunst reger Gebrauch gemacht wird. Der BSVMV e.V. und die Gebietsgruppe Schwerin lädt zur Übergabe im Staatlichen Museum in Schwerin, verbunden mit der ersten Führung am 12. Oktober 2012 um 15.00 Uhr herzlich ein.

Der Landesvorstand